Legasthenie ist einfach eine andere Art, die Welt zu sehen, eine andere Art, Informationen zu verarbeiten, eine andere Art zu lernen und eine andere Art, großartige Ideen zu entwickeln. Als jemand mit Legasthenie finde ich persönlich Wert in meiner einzigartigen Perspektive und Art der Informationsverarbeitung. Legasthenie kann eine Quelle der Stärke und Kreativität sein, und ich bin stolz auf die Funktionsweise meines Gehirns.
What I do:
Building Software as a Service solutions (SaaS) and e-media solutions. Planning, designing and assembling dyslexia software, games and media. Working as Chairman of the German Dyslexia Association, Dachverband Legasthenie Deutschland (www.DVLD.de)
Häufig gestellte Fragen zu Legasthenie & Dyskalkulie
Was ist Legasthenie?
Ein legasthener Mensch nimmt bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz seine Umwelt differenziert anders wahr. Seine Aufmerksamkeit lässt nach, wenn er auf Buchstaben oder Zahlen trifft, da er durch differente Sinneswahrnehmungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens. Die Ursache ist genetisch bedingt – Forschungen haben sechs Chromosomenregionen identifiziert, die dafür verantwortlich sind. Etwa 15% der Weltbevölkerung sind betroffen.
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) sind nicht das Gleiche. Legasthenie ist genetisch bedingt und besteht ein Leben lang – sie kann aber durch gezielte Förderung gut bewältigt werden. LRS hingegen ist eine erworbene, zumeist vorübergehende Problematik, die durch psychische oder physische Ereignisse ausgelöst wird. Die Förderung muss deshalb bei Legasthenie und LRS unterschiedlich sein.
Was ist Dyskalkulie?
Dyskalkulie bezeichnet Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen, Zahlenräumen und Grundrechenoperationen. Die Verursachung ist ähnlich wie bei Legasthenie genetisch bedingt. Betroffene Kinder zeigen eine auffällige, zeitweise Unaufmerksamkeit beim Umgang mit Zahlen bei sonstiger guter Aufmerksamkeit.
Wann kann man eine Legasthenie oder Dyskalkulie feststellen?
Der früheste Zeitpunkt liegt in der zweiten Hälfte der ersten Schulstufe. Das Kind muss sich bereits ausreichend mit Buchstaben und Zahlen auseinandergesetzt haben. Im Vorschulalter können zwar differente Sinneswahrnehmungen festgestellt werden, diese führen aber nicht zwingend zu einer Legasthenie oder Dyskalkulie.
Was ist die AFS-Methode?
Die
AFS-Methode ist ein pädagogisch-didaktischer Förderansatz für Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie. AFS steht für:
Aufmerksamkeit –
Funktion (Sinneswahrnehmungen) –
Symptom (Lese-, Schreib- und Rechenleistung). Diese drei Bereiche werden gezielt und individuell trainiert. Eine Langzeitstudie (2001–2006) mit 3.370 Teilnehmern zeigte, dass 85% der Teilnehmer ihre Leistungen kontinuierlich verbesserten.
Warum reicht vermehrtes Üben allein nicht aus?
Fehler beim Schreiben, Lesen oder Rechnen sind lediglich die Symptome einer Legasthenie, aber nicht die Ursache. Nur am Symptom zu arbeiten führt zu wenig Erfolg und erzeugt Frustration beim Kind. Die AFS-Methode setzt deshalb an allen drei Bereichen an: Aufmerksamkeit schärfen, Sinneswahrnehmungen trainieren und erst dann gezielt am Symptom arbeiten.
Ist man ein Leben lang Legastheniker?
Ja, Legasthenie besteht ein Leben lang. Doch mit einer speziellen Förderung kann die Legasthenie gut bewältigt werden. Viele erfolgreiche Menschen sind legasthen – Legasthenie kann eine Quelle der Stärke und Kreativität sein. Betroffene sehen die Welt auf eine andere Art und entwickeln oft besondere Fähigkeiten.
Wer stellt eine Legasthenie fest und wer fördert?
Diplomierte Legasthenietrainer stellen mittels pädagogischer Testverfahren und Anamnese eine Legasthenie oder Dyskalkulie fest und bieten gezielte Förderung an. Bei Verdacht auf zusätzliche Problematiken sollten Fachleute aus Medizin und Psychologie hinzugezogen werden. Die Zusammenarbeit zwischen Kind, Eltern, Lehrern und Spezialisten ist entscheidend für den Erfolg.
Wie wird man diplomierter Legasthenietrainer?
Über ein
Fernstudium beim Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie (EÖDL). Das Studium umfasst ca. 600 Seiten in vier Theoriemodulen, ist flexibel einteilbar und kostet ab €64 pro Monat. Neben dem Legasthenietrainer gibt es auch Ausbildungen zum Dyskalkulietrainer, Lerndidaktiker und Mediendidaktiker. Absolventen aus über 64 Ländern haben das Studium bereits erfolgreich abgeschlossen.
Helfen technische Hilfsmittel bei Legasthenie?
Technische Hilfsmittel wie Computer und Lernsoftware bieten Vorteile, aber es gibt kein einzelnes Hilfsmittel, das in allen Fällen hilft. Technologie sollte als Ergänzung zur individuellen Förderung eingesetzt werden, nicht als Ersatz. Moderne KI-Tools können legasthene Menschen zusätzlich unterstützen – etwa durch Text-to-Speech, Autokorrektur und adaptive Lernsysteme.
Warum werden besondere Fähigkeiten legasthener Menschen oft übersehen?
In Schulen wird Intelligenz häufig am Schreib-, Lese- und Rechenvermögen gemessen. Dabei werden die oft überdurchschnittlichen Fähigkeiten legasthener Menschen in anderen Bereichen übersehen. Legasthenie ist eine andere Art, die Welt zu sehen, Informationen zu verarbeiten und großartige Ideen zu entwickeln. Viele bekannte Persönlichkeiten wie Einstein, Edison oder Walt Disney waren legasthen.
Was ist ein diplomierter Mediendidaktiker?
Ein
diplomierter Mediendidaktiker ist spezialisiert auf Medienpädagogik und die Gestaltung mediengestützter Lernumgebungen. Zu den Aufgaben gehören: Lehrpläne und Lehrmaterialien mit Medienintegration erstellen, Pädagogen im Medieneinsatz schulen, Medienkompetenz bei Schülern fördern, und Bildungseinrichtungen bei der Technologieauswahl beraten. Aktuelle Schwerpunkte umfassen auch Cybercrime-Prävention, den kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Gestaltung digitaler Lernszenarien. Die Ausbildung erfolgt über ein Fernstudium beim EÖDL nach den Standards des DVLD.
Was ist Worterarbeitung nach der AFS-Methode?
Die
Worterarbeitung ist ein umfassendes Konzept, um legasthenen Kindern gezielt beim Symptomtraining zu helfen. Sie folgt einem Drei-Schritte-Prozess:
Wortbild – die dreidimensionale Darstellung des Wortbildes ist ein Grundprinzip der AFS-Methode.
Wortklang – das Wort wird gehört und die Aussprache geübt.
Wortbedeutung – Bedeutung, Grammatik und Verwendung im Kontext werden erarbeitet. Durch diesen multisensorischen Ansatz werden Wörter ins Langzeitgedächtnis übertragen, statt durch bloßes Wiederholen auswendig gelernt.
Was ist Fernförderung und wie funktioniert sie?
Fernförderung ist eine pädagogisch wertvolle Online-Lernplattform für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie ermöglicht individuelles Lernen unabhängig vom Standort – über drei Schritte zum dynamischen Lernen. Aktuell nutzen über 21.000 Kinder das Lernsystem. Die Plattform bietet adaptive, personalisierte Förderung und ist besonders wertvoll für Familien, die keinen Legasthenietrainer vor Ort haben.